Anpassung an Klimawandelfolgen

Verkehrsberuhigter Bereich einer Stadt mit begrünten Elementen zum Verweilen
Verkehrsberuhigter Bereich einer Stadt mit begrünten Elementen zum Verweilen

Der Klimawandel ist kein abstraktes Phänomen in der Zukunft, sondern bereits heute vor Ort spürbar. In Rheinland-Pfalz ist die Jahresdurchschnittstemperatur bereits um +1,8°C angestiegen im Vergleich zum frühindustriellen Mittelwert. Ein großes Problem ist die Zunahme an heißen Tagen mit maximalen Temperaturen über 30 °C. Besonders stark unter Hitze leiden die Regionen Vorderpfalz und Rheinhessen im Oberrheingraben. Projektionen zeigen, dass ohne ausreichenden Klimaschutz Hitzewellen an Länge und Intensität zunehmen werden. Auch die Niederschläge werden durch den Klimawandel beeinflusst. Während die Niederschläge im Winter zugenommen haben, lässt sich im Sommer ein leichter Rückgang beobachten. Diese Änderungen sind allerdings in Rheinland-Pfalz regional sehr unterschiedlich. Starkregenereignisse werden an Intensität zunehmen. Mit der Flutkatastrophe im Ahrtal haben die rheinland-pfälzischen Bürgerinnen und Bürger die Auswirkungen des Klimawandels bereits besonders schmerzhaft erleben müssen. 

Eine Attributionsstudie des Deutschen Wetterdienstes stellte fest, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und die Intensität für Starkregenereignisse, die zum Beispiel u.a. im Ahrtal zu der Flutkatastrophe geführt haben, erhöht.

Eine detaillierte Übersicht zu den klimatischen Änderungen ist im Klimadaten-Tool des Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen aufbereitet.

Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Folgen durch den zunehmenden Klimawandel wie 

  • stärkere Pollenbelastung durch Verlängerung der Pollensaison,
  • Übertragung von Krankheitserregern durch Ausbreitung der Tigermücke,
  • erhöhter Hitzestress bei Nutztieren in der Landwirtschaft oder
  • erhöhtes Risiko für Schäden an Verkehrsinfrastruktur durch Extremwetterereignisse.

Um den Klimawandel zu begrenzen, sind nach wie vor dringend effektive und ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen notwendig. Allerdings treten bereits heute Folgen und Auswirkungen des Klimawandels auf, die nicht mehr zu vermeiden sind. Anpassung an den Klimawandel bedeutet, Maßnahmen zu ergreifen, um die negativen Folgen des Klimawandels zu verringern. Dazu gehört zum Beispiel der Schutz vor Hitze, Hochwasser oder Dürren, eine klimaresistente Landwirtschaft und eine widerstandsfähige Infrastruktur. Ziel ist es, Menschen, Umwelt und Wirtschaft besser auf die bereits spürbaren und zukünftigen Klimaveränderungen vorzubereiten. Eine besondere Rolle spielen dabei Menschen in vulnerablen Lebenslagen, etwa hochaltrige Personen oder Menschen mit begrenzten finanziellen Ressourcen.
Vor diesem Hintergrund ist es zentral, Klimawandelanpassung sozial gerecht zu gestalten, da Klimarisiken ungleich verteilt sind und bestimmte Bevölkerungsgruppen sowohl stärker betroffen als auch weniger in der Lage sind, sich wirksam anzupassen und zu schützen.

Rheinland-Pfalz hat im Jahr 2010 das Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen eingerichtet, das als zentraler fachlicher Ansprechpartner zu Fragestellungen rund um Klimawandel, dessen Folgen und Anpassungsmöglichkeiten fungiert.
Unter Federführung des Ministeriums für Wissenschaft und Gesundheit (MWG) wurde 2024 der Hitzeaktionsplan für Rheinland-Pfalz veröffentlicht. Dieser hat das Ziel, die menschliche Gesundheit durch verschiedene kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen vor den Auswirkungen von Hitze zu schützen und die Bevölkerung diesbezüglich zu sensibilisieren. Der Landes-Hitzeaktionsplan soll als Rahmen zur Orientierung und als Hilfestellung für Kommunen bei der Erstellung eines eigenen Hitzeaktionsplans dienen.
Durch den fortschreitenden Klimawandel ist auch die Wasserwirtschaft mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert. Um einen klimaangepassten und zukunftsfähigen Umgang mit Wasser als Ressource sicherzustellen, wurde unter Federführung des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität 2024 der Zukunftsplan Wasser entwickelt. Dieser enthält unter anderem die Schwerpunkte Risikokommunikation verbessern, Wasserrückhalt in der Fläche sichern, Wasser wiederverwenden und Bewusstsein für die Ressource Wasser fördern.
Mit dem HydroZwilling Rheinland-Pfalz steht im Land ein neues, innovatives System zur Verfügung, mit dem sich die konkreten Auswirkungen von Sturzfluten und Flusshochwasser am Computer simulieren und anschaulich dreidimensional visualisieren lassen. Ziel ist es, sowohl die Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes, die Kommunen und die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz bei der Hochwasser- und Sturzflutvorsorge wirksam zu unterstützen.