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Auftakt zur Datenwerkstatt Rheinland-Pfalz | Ministerin Katrin Eder: „Datenwerkstatt Rheinland-Pfalz holt Projektteam Energiewende an einen Tisch: Gemeinsamer Blick auf künftige Energiebedarfe liefert Mehrwert für alle“

Wärmepumpen, Ladesäulen, Industrieprozesse – um die Netzinfrastruktur fit zu machen für den steigenden Strombedarf im Land, braucht es eine zuverlässige Prognose, wie sich Energiebedarf und -erzeugung vor Ort entwickeln werden. Genau hier setzt ein neues Projekt des MKUEM an. Zum Auftakt sprach Energieministerin Eder mit rund 75 Gästen über die Energielandschaft der Zukunft in Rheinland-Pfalz.
Klimaschutzministerin Katrin Eder beim Auftakt zur Datenwerkstatt Rheinland-Pfalz
Klimaschutzministerin Katrin Eder beim Auftakt zur Datenwerkstatt Rheinland-Pfalz

Für den erfolgreichen Umbau zu einer klimaneutralen Energieversorgung ist eine frühzeitige und abgestimmte Planung der verschiedenen Infrastrukturen entscheidend. Dafür braucht es möglichst einheitliche Annahmen über die künftige Entwicklung der Energieerzeugung und des Verbrauchs. Genau das sei die Idee eines neuen Beteiligungsprozesses zum Abgleich von Planungsannahmen, erklärte Energieministerin Katrin Eder bei der Auftaktveranstaltung in Mainz vor rund 75 geladenen Gästen: „In der ‚Datenwerkstatt Rheinland-Pfalz‘ führen Netzbetreiber, Stadtwerke, Kommunen, Industrie und Wirtschaftsverbände ihre Daten und Erkenntnisse aus den Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie zu sektorübergreifenden Planungsdaten zusammen. Diese Informationen können die Beteiligten für ihre Planungsprozesse nutzen: die Kommunen für ihre Wärmeplanung, die Industrie für die Umstellung ihrer Produktionsprozesse und die Netzbetreiber für ihre Netzausbauplanung.“ Bis Herbst sollen Daten zu Erzeugungslandschaft, kommunaler Lastentwicklung und industrieller Lastentwicklung gesammelt, in Expertenworkshops diskutiert und so zu einer gemeinsam nutzbaren Datengrundlage aufbereitet werden.

Amprion als Übertragungsnetzbetreiber ebenso wie die verantwortlichen Verteilnetzbetreiber Westnetz, Pfalzwerke Netz, Energienetze Mittelrhein, EWR Netze, Mainzer Netze und Syna begleiten die Datenwerkstatt mit ihrer netzplanerischen Expertise. Dr. Hendrik Neumann, Technischer Geschäftsführer der Amprion GmbH: „Für uns ist es enorm wichtig zu wissen, welche Pläne die Kommunen bei der Wärmeversorgung verfolgen, ob sie beispielsweise ein Fernwärmenetz planen oder davon ausgehen, dass vermehrt Wärmepumpen zum Einsatz kommen werden. Gleiches gilt für Industrieunternehmen, die ihre Prozesse wahlweise auf Strom oder auf Wasserstoff umstellen können. Je besser wir solche Entwicklungen abschätzen können, desto besser kennen wir den zukünftigen Strombedarf und können das Stromnetz bedarfsgerecht verstärken und ausbauen.“

Auch der Bereichsleiter Netzmanagement der Pfalzwerke Netz AG, Dr. Klaus Zimmer, begrüßt den Rundumblick auf die künftige Entwicklung und Verteilung der regionalen Energiebedarfe. Gleichwohl mahnt er: „Solche Austauschformate sind gut und wichtig, aber sie entlassen den Gesetzgeber nicht aus der Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Von einer echten integrierten Planung der Energieinfrastruktur sind wir noch weit entfernt. Gleichwohl ist es ein Schritt in die richtige Richtung, Planungsannahmen der unterschiedlichen Akteure in Rheinland-Pfalz zusammenzuführen und abzugleichen.“

Dr. Thomas Wiesner, Leiter Strategisches Assetmanagement der Westnetz GmbH, setzt auf eine Verbesserung der Datenqualität durch den Abgleich mit regionalem Expertenwissen: „Netzbetreiber arbeiten mit verschiedenen Planungsszenarien, in denen sie jeweils unterschiedliche Entwicklungspfade unterstellen. In der Datenwerkstatt haben wir die Möglichkeit, diese Modelle mit lokalem Wissen anzureichern. Geplante Gewerbegebiete, die Ansiedlung von Rechenzentren, eine Produktionsumstellung auf Wasserstoff oder die Ausweisung bestimmter Flächen als Windvorranggebiete – das alles sind wichtige Informationen für uns, die wir als Verteilnetzbetreiber in unseren Planungsmodellen berücksichtigen können. Ganz aktuell treibt uns vor allem das Thema kommunale Wärmeplanung um.“

Zu den Vorreiter-Kommunen in Rheinland-Pfalz für die kommunale Wärmeplanung gehört die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler im Ahrtal. Thomas Hoppenz, Geschäftsführer der Ahrtal-Werke GmbH beschäftigt sich als örtlicher Versorger mit der zukunftsfähigen Wärmeversorgung: „Wir unterstützen die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler aktiv bei der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung, welche bereits 2024, das heißt weit vor der gesetzlichen Frist, vorgestellt werden soll, auch um die notwendigen Investitionen besser kalkulieren zu können. Und bei jeder Baustelle in der Stadt wird geprüft, ob dort auch Strom- und Fernwärme mit in die Versorgungstrassen kommt. Das Fernwärmenetz in Bad Neuahr-Ahrweiler haben wir seit 2021 auf rund 15 Kilometer nahezu verdoppelt. Herzstück dabei ist unsere innovative Kraft-Wärme-Kopplung in Kombination mit einer Wärmepumpe, letztere alleine kann rund 200 Haushalte mit Fernwärme versorgen.“ Hoppenz zufolge braucht es einen engen Austausch zwischen Kommunen und Netzbetreiber.

Umso wichtiger sei es laut Energieministerin Katrin Eder, nun das gesamte Projektteam der Energiewende Rheinland-Pfalz an einen Tisch zu holen und gemeinsam eine Bestandsaufnahme zu machen. Eder: „Ich bin überzeugt, dass ein gemeinsamer Aktualitäts- und Plausibilitätscheck der Planungsdaten für das Stromnetz in Rheinland-Pfalz einen Mehrwert für alle liefert.“

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