„Das Artensterben ist neben der Erderhitzung eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Darum ist die Bewahrung der Artenvielfalt eine Priorität des Klimaschutzministeriums. Beweidungsprojekte leisten hier einen wichtigen Beitrag. Das Beweidungsprojekt auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Saarburg verbindet kostengünstigen Arten- und Biotopschutz mit Inklusion. Die Beweidung der Fläche mit Rindern und Pferden schafft Lebensraum für viele Tiere, darunter gefährdete Arten wie die Gelbbauchunke. Ermöglicht wird dies von der fachkundigen Betreuung der Rinder und Pferde durch das Hofgut Serrig, dessen Mitarbeitende eine große Expertise in der Großvieh- und Mutterkuhhaltung mitbringen. Besonders schön finde ich, dass beim Hofgut Serrig auch Menschen mit Behinderungen eine Anstellung finden. Für die Öffentlichkeit ist das Projekt über einen Rundweg erlebbar. Natur und Menschen profitieren hier voneinander“, sagte Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder bei einem Besuch auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz.
Bis 2010 wurde der Truppenübungsplatz von französischen Streitkräften genutzt. Die militärische Nutzung schuf eine Vielzahl kleiner Gewässer auf der teilweise bewaldeten Fläche, die zum FFH-Gebiet „Serriger Bachtal und Leuk und Saar“ gehört. Um dieses Halboffen- und Offenland, das mit einer Fläche von 67 Hektar fast so groß ist wie 94 Fußballfelder, als Lebensraum gefährdeter Arten zu erhalten, gewährte das Umweltministerium dem NABU Rheinland-Pfalz eine Förderung in Höhe von 474.000 Euro aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“.
Seit 2020 setzt die Obere Naturschutzbehörde SGD Nord das Projekt in Kooperation mit dem NABU Rheinland-Pfalz um, mit dem weitere ähnliche Projekte durchgeführt werden. Die Fläche, die als Nationales Naturmonument im Besitz des NABU ist, die Taurus-Rinder und Konik-Pferde sowie die notwendige Weideinfrastruktur, wie der Zaun und Tränken, werden vom NABU zur Verfügung gestellt. Insgesamt gibt es in Rheinland-Pfalz etwa 170 Naturschutzprojekte der ganzjährigen Weidewirtschaft. Neben Konversionsflächen, wie dem Truppenübungsplatz bei Saarburg, werden Beweidungsprojekte zum Beispiel in Wäldern oder Bachtälern durchgeführt.
Durch die Weiternutzung als Weidelandschaft wird der Lebensraum für die Gelbbauchunke und weitere Amphibien, Schmetterlinge, Vögel und Fledermäuse erhalten. Die Taurus-Rinder und Konik-Pferde drängen die Verbuschung zurück und ermöglichen temporäre Wasserstellen in ihren Hufabdrücken. Selbst die Hinterlassenschaften der Rinder und Pferde bieten Lebensraum für einige Insekten, die wiederum Vögeln und Fledermäusen als Nahrung dienen. Das Beweidungsprojekt ist kostengünstiger und mit weniger personellem Aufwand verbunden als eine manuelle Pflege der Fläche. Das Gebiet wird auch zur Gewinnung von Daten für den Naturschutz genutzt.
„In den fünf Jahren seit Beginn des Beweidungsprojektes konnte sich die bedeutendste Population der Gelbbauchunke in der Region auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz etablieren. So leisten Beweidungsprojekte wie dieses einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt. Ich bin zuversichtlich, dass viele weitere Projekte dem Vorbild des Beweidungsprojekts bei Saarburg folgen werden“, so Katrin Eder.