Höfken: Bund muss Weichen für Ernährungswende stellen

Mehr Öko-Landbau, mehr Tierschutz und bessere Gemeinschaftsverpflegung: Beim Brunch-Talk in Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die Ernährung der Zukunft.

„Fehlernährung ist ein zunehmendes Problem: Ernährungsbedingte Krankheiten verursachen rund ein Drittel der Kosten im Gesundheitswesen, mindern Lebensqualität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit von immer mehr Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Gleichzeitig belasten Stickstoffe, Pestizide und industrielle Produktionsstrukturen Mensch und Umwelt. Gute Ernährung, die Reduzierung von Schadstoffen und ökologische Landwirtschaft bieten eine Antwort“, sagte Umwelt- und Ernährungsministerin Ulrike Höfken heute beim Brunch-Talk unter dem Motto „Ernährung der Zukunft – gesund, ökologisch und tierschutzgerecht“. Diesen haben die zuständigen Landesministerinnen und Landesminister aus Rheinland-Pfalz, Berlin, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin ausgerichtet, um gemeinsam mit Gästen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft Lösungsansätze für eine nachhaltige Ernährung der Zukunft zu diskutieren.

„Die Nachfrage nach Bio-Produkten, nach Lebensmitteln aus der Region und tiergerechter Haltung steigt. Um diesen Trend zu unterstützen, muss der Bund endlich die Weichen für eine Ernährungswende stellen. „Für diese brauchen wir dringend mehr Öko-Landbau, mehr Tierschutz und eine bessere Gemeinschaftsverpflegung“, so Höfken.

Mehr Öko auf dem Teller

„Gerade der Öko-Landbau ist der Schlüssel zu mehr Biodiversität, Klima-, Umwelt- und Tierschutz und bietet auch vielen Landwirtinnen und Landwirten eine Perspektive“, erklärte Höfken. Innerhalb der vergangenen sieben Jahre ist der Öko-Landbau in Rheinland-Pfalz um 83 Prozent gewachsen. Die Landesregierung habe sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche mit dem ersten Öko-Aktionsplan auf 20 Prozent zu verdoppeln und den Öko-Landbau für eine innovative Zukunft zu rüsten. So unterstütze das Land das Angebot an ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der Region und stärke gleichzeitig die Nachfrage, führte die Ministerin an. „Von Bundesministerin Julia Klöckner erwarte ich klare Signale zur europäischen Agrarpolitik und die Umsetzung der eigenen Bundes-Koalitionsziele: Neben der Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft muss sie sich in den EU-Verhandlungen für die sichere Finanzierung des gemeinsamen 20-Prozent-Ziels im Öko-Landbau einsetzen“, forderte Höfken. 

Mehr Tierwohl im Einkaufkorb

Öko-Landbau ist auch aktiver Tierschutz. Denn die „Bio“-Zertifizierung ist der einzige EU-weit gesetzlich festgeschriebene Standard, der hohe Anforderungen an die Tierhaltungsbedingungen sicherstellt. Rund 90 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereit, mehr für Lebensmittel zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden. Und knapp 80 Prozent wünschen sich eine staatliche Tierwohlkennzeichnung. Die Ernährungsministerin sagte: „Anstatt beim Tierwohlkennzeichen zu liefern, lässt das Bundesernährungsministerium jedoch wertvolle Zeit verstreichen. Bis heute hat die Bundesregierung ein verbindliches Label verhindert. Mehr als allgemeine Rahmenbedingungen ohne konkrete Vorgaben und ein Gesetzentwurf, der ein viel zu komplexes und umständliches freiwilliges Label regeln soll, liegen bisher nicht vor. Stattdessen hat der Lebensmitteleinzelhandel die Politik mit einem eigenen Label überholt.“ Die Bundesregierung müsse nun dringend Worten Taten folgen lassen und als ersten Schritt eine einfache und transparente Tierhaltungskennzeichnung vorlegen. Auch müsse sie sich bei der EU für Finanzmittel für eine tierschutzgerechten Haltung einsetzen, um die steigende Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Produkten aus tiergerechter Haltung zu bedienen.

Gutes Essen für alle

Das Gute: Auch die Nachfrage nach Bioprodukten steigt – 2017 allein um sechs Prozent. „Um eine nachhaltige Ernährung in Kitas und Schulen zu stärken, setzen wir mit unserem Öko-Aktionsplan auf 50 Prozent regionale und 30 Prozent biologische Produkte bei der Mittagsverpflegung in Kita und Schule. Mit Unterstützung der Ernährungsinitiative ‚Rheinland-Pfalz isst besser‘ hat neben der Verbesserung des Kita- und Schulessens nach den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die Ernährungsbildung in Rheinland-Pfalz einen hohen Stellenwert. „Das ist auch wichtig, denn 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland wiegen zu viel“, betonte die Ministerin. Dies sei ein besorgniserregender Trend: Bereits Kinder hätten mit Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 sowie mit Auswirkungen auf Herz, Muskel- und Skelettsystem zu kämpfen, die mit einer Fehlernährung zusammenhängen können, so Höfken weiter. „Übergewicht, Fehlernährung und Umweltauswirkungen unserer derzeitigen Lebensmittelproduktion zeigen: Es ist Zeit für eine Ernährungswende. Hier muss die Bundesregierung ihre politischen Aufgaben erfüllen und entschlossen handeln“, erklärte die Ernährungsministerin abschließend. 

Weitere Informationen sind abrufbar auf der Webseite des Ernährungsministeriums und im Booklet „20 Prozent Bio für Rheinland-Pfalz“ unter: